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“Bock darauf, dass es bald losgeht” – Finn Lemke und Julius Kühn im Interview

Corona schränkt nach wie vor in vielen Bereichen die Menschen ein. In der Öffentlichkeit, wie im Privaten, in der Freizeit, wie im Beruf. Wie die Handballprofis der MT Melsungen jetzt in der heißen Phase der Saisonvorbereitung damit klarkommen, warum sie sich trotz vieler Unwägbarkeiten auf die Saison freuen und welche Ziele sie haben, verraten Finn Lemke und Julius Kühn im Interview.
 

Die latente Ansteckungsgefahr, verschärfte Hygienemaßnahmen, das Einhalten von Abstandsregeln, engmaschige medizinische Tests – mit all dem müsst ihr derzeit in der Vorbereitungsphase auf die neue Saison klarkommen. Erscheint euch die ganze Situation nicht ein wenig surreal?

Finn Lemke: Ich versuche, das alles so gut wie möglich auszublenden. Wir stecken ja gerade mitten in der Vorbereitung, trainieren ziemlich viel. Man ist zuhause eigentlich nur immer kurz um zu essen und zu schlafen und ein wenig mit den Kindern zu spielen und dann geht’s auch schon wieder zum nächsten Training. Deshalb halte ich mich strikt an die geltenden Regeln und versuche, den Fokus stets auf das nächste Testspiel zu legen.
Julius Kühn: Es ist jetzt alles schon etwas anders, es herrschen andere Sicherheitsvorkehrungen, deren Einhaltung genau überwacht wird. Aber letztlich geht es doch ums Handballspielen und dabei hat sich ja vom Prinzip her nichts geändert. Wenn man den Ball in der Hand hat, ist in dem Moment fast alles so, wie es vorher war.
 
Die innere Uhr eines Handballprofis zeigt zu dieser Zeit für gewöhnlich schon erste Vorfreude auf die bald beginnende Wettkampfsaison an. Kommt die bei euch angesichts der vielen Unsicherheiten aufgrund der Pandemie überhaupt auf?

Finn Lemke: Die Vorfreude besteht auf jeden Fall. Man weiß einfach, dass es nach einer langen Vorbereitung endlich losgeht, dass die Saison startet und man wieder in den gewohnten Rhythmus reinkommt.
Julius Kühn: Es herrschen jetzt zwar Umstände, mit denen wir alle keinerlei Erfahrungen haben, aber bei uns Spielern überwiegt trotzdem die Vorfreude. Wir hatten schließlich lange genug Wettkampfpause. Jetzt, nachdem wir bereits das erste Vorbereitungsspiel gemacht haben, war schnell zu spüren, dass alle Bock darauf haben, dass es bald losgeht.

Kalkuliert ihr – ausgehend vom heutigen Stand – ein, dass womöglich zunächst ohne Zuschauer gespielt werden muss?

Finn Lemke: Wenn gespielt werden muss, wird gespielt. Ob mit Zuschauern oder ohne. Das wäre natürlich sehr schade, wenn die Tribünen leer bleiben müssen, aber in erster Linie geht es ja um den Sport und schlussendlich in jedem Spiel um zwei Punkte.
Julius Kühn: Bei unseren Testspielen lassen wir ja noch keine Zuschauer zu. Es könnte auch sein, dass wir ohne Zuschauer in die Saison starten müssen. Ich denke, die Verantwortlichen sind bemüht, zumindest eine bestimmte Anzahl von Fans in den Hallen zu ermöglichen. Das wäre schön, aber das können wir als Spieler natürlich nicht beeinflussen.

Mal das reine sportliche Geschehen  außen vor gelassen – sind negative wirtschaftliche Auswirkungen für die Clubs aufgrund von Corona zu befürchten?

Finn Lemke: Ich hoffe das einfach nicht. Ohne es jedoch vorhersagen zu können. Ich hoffe nur, dass alle Vereine gesund durchkommen und diese schwere Zeit auch insgesamt überstehen werden.

Je nach Pandemie-Level kann es passieren, dass die Saison unterbrochen werden muss, Spiele verlegt werden müssen und so der Handball aus dem Rhythmus kommt. Lassen sich aufgrund solcher Unwägbarkeiten überhaupt konkrete sportliche Ziele ins Auge fassen?

Finn Lemke: Erstes Ziel ist es auf jeden Fall, dass wir uns in der European League für die zweite Runde qualifizieren. Ich denke, genauere Zielsetzungen kann man erst danach fassen. Dann haben wir noch knapp vier Wochen Zeit, um uns auf den Bundesligastart vorzubereiten und dann schauen wir weiter.  
Julius Kühn: Beim Blick auf die Saison schaut man ein wenig ins Schwarze. Man weiß nicht so richtig, was einen erwartet. Aber es ist natürlich logisch, so an die Sache heranzugehen, als ob alles planmäßig stattfinden wird. Wir vertrauen darauf, dass es funktionieren wird. Beeinflussen können wir selbst das aber nicht. Dass sich Bedingungen schnell ändern, kann passieren. Dann muss man einfach schauen, was zu tun ist und wie es weitergehen kann. Zur sportlichen Zielsetzung kann ich zunächst nur mein persönliches Empfinden wiedergeben. Wir haben eine schlagkräftige Truppe beisammen und wir werden ganz sicher versuchen, oben anzugreifen.

Heißt das auch, dass die MT – jetzt unter anderem bestückt mit sechs Spielern aus dem DHB-Kader – “liefern muss”?

Julius Kühn: In den anderen Vereinen, die weit oben stehen oder dahin wollen, spielen jeweils auch fast ausnahmslos Nationalspieler. Die haben alle den gleichen Druck wie wir. Klar, das Augenmerk liegt jetzt etwas mehr auf der MT, weil wir eben viele deutsche Nationalspieler haben. Letztlich liegt es an jedem selbst, die erhofften Leistungen abzurufen. Wenn das gelingt, wird am Ende auch ein gutes Ergebnis herauskommen.   

Das nächste Testspiel im Livestream:
Am Freitag, 21.08.20, 16:00 Uhr, testet die MT in Kassel gegen die HSG Wetzlar. Es dürfen zwar keine Zuschauer in der Rothenbach-Halle sein, dafür aber überträgt die MT das Hessenderby  als Livestream auf dem YouTube-Kanal.

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