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Politik zu Besuch beim Sport: MdB Britta Dassler (vorn rechts) und MdB Matthias Nölke (hinten 2. von rechts) informierten sich vor Ort über das außergewöhnliche Jugendkonzept der MT Melsungen bei Dr. Alexander Schröder, Axel Renner, Carlin Goujard und Julian Fuchs (von links). (Foto: WMK)

MT Talents: Politik trifft Sport - der Deutsche Bundestag zu Gast beim erfolgreichen Handball-Nachwuchs!

Prominenter Besuch für die MT Talents in den Geschäftsräumen der MT Melsungen! Zu Besuch waren Frau Britta Dassler, Mitglied des Deutschen Bundestages in Berlin und ihr nordhessischer Bundestagskollege Matthias Nölke aus Kassel. Wobei die bayerische Abgeordnete in Berlin aktiv tätig ist in den Ausschüssen für Sport sowie auch Bildung. Genau jenen Ressorts also, die die MT Talents, ihrer Konzeption folgend, in Kombination mit Leben füllen. Und das mit großem Erfolg, wie MT-Geschäftsführer Axel Geerken bei der Begrüßung anmerkte. Innerhalb weniger Jahre spielte sich der Melsunger Handball-Nachwuchs in die bundesdeutsche Spitze, vernachlässigte dabei den schulischen Bereich der Sportler aber keineswegs. Im Gegenteil nimmt gerade die nicht-sportliche Ausbildung der jungen Talente beim nordhessischen Aushängeschild des Handballs großen Raum ein und wird durch die enge Verzahnung des Clubs mit den drei ortsansässigen Schulen (Gesamtschule Melsungen, Geschwister-Scholl-Schule und Radko-Stöckl-Schule) getragen.

Ein Zusammenspiel, das der aus Herzogenaurach kommenden FDP-Abgeordneten imponierte. "Ein besseres Kompliment für diese vorzügliche Aufbauarbeit gibt es doch gar nicht", merkte sie, Bezug nehmend auf die im Vorjahr errungene Deutsche Meisterschaft der B-Jugendlichen, an. MT-Jugendkoordinator Axel Renner hatte zuvor einen kurzen Abriss von den "sehr rudimentären Anfängen der Jugendarbeit 2014" (O-Ton Renner) über den fruchtenden Zusammenschluss mit den Nachbarvereinen aus Körle und Guxhagen zur Jugendspielgemeinschaft bis bin zum nationalen Meistertitel als bisher größtem Vereinserfolg geliefert. Was der generelle Aufschwung der Handballsparte für den Breitensportverein der MT 1861 bedeutet und welche Wirkung das auf die Außendarstellung des Clubs hat, darüber gab MT-Vorsitzender Dr. Alexander Schröder Auskunft.

Auch bei eher kritischen Themen kam die jederzeit angeregte Unterhaltung nicht ins Stocken. Angefangen beim Fehlen von Hallenkapazitäten (Renner: "Gäbe es hier eine Halle mehr, wäre die ganz sicher ebenfalls sehr schnell ausgelastet") bis hin zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie (Dassler: "Es werden Sponsoren wegbrechen, die selbst ums Überleben kämpfen") reichte der Bogen der Themen. Wobei gerade der zu erwartende Wegfall von Geldern viele Vereine an die Grenzen ihrer Möglichkeiten bringen kann und wohl wird. Dass das von der "großen Politik" nicht in Gänze aufgefangen werden kann, sei klar, sagte Frau Dassler. Aber sie merkte auch kritisch an, dass an den Förderungen vorrangig der Spitzensport partizipieren würde. Ohne das Stützen der Breite als Unterbau sei Leistung allerdings kaum vorstellbar. "Einige Bundesländer haben schon Gelder bereitgestellt. Aber das ist natürlich längst nicht genug, um alle Bedürfnisse zu decken", bedauerte die Politikerin. Es werde wohl zu Liquiditätslücken von Vereinen kommen, bei denen der Bund dann einspringen müsse.

Ein zentraler Gesprächspunkt war das eigentliche Alleinstellungsmerkmal des "Melsunger Konzeptes": die ineinander greifende Arbeit von leistungsorientiertem Sportverein auf der einen, sowie der Verpflichtung zum verantwortungsvollen Umgang mit der Aus- und Fortbildung an den Schulen auf der anderen Seite. Der ebenfalls an der illusteren Runde teilnehmende Julian Fuchs, letztes Jahr noch Rechtsaußen in der A-Jugend und nun fest aufgerückt in den Oberliga-Kader der zweiten Männermannschaft, war einer von mehreren Abitur-Absolventen ("... mit gutem Erfolg!" - O-Ton Fuchs) der MT Talents in diesem Sommer. Dass solche "Parallel-Karrieren" doch Einiges an Koordination und Arbeitsaufwand für die Vereinsverantwortlichen erfordern, veranschaulichte Carolin Goujard in ihrer Funktion als Lehrerin und Fachbereichsleiterin Sport an der Gesamtschule Melsungen, die das Zusammenspiel mit den drei beteiligten Schulen koordiniert und darüber hinaus auch noch Betreuerin der MT Talents B-Jugend ist, aus erster Hand. Ohne zusätzliche Trainingsmöglichkeiten leistungsorientiert zusammengestellter Gruppen am Vormittag sei der Sport auf so hohem Niveau nicht möglich, ohne das Nachholen und Aufarbeiten partiell versäumter Unterrichtsstunden mit kompetentem Lehrpersonal gäbe es aber auch erst gar keine Übungseinheiten während der Unterrichtszeiten.

"Bildung und Sport sind beides elementare Bestandteile der Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen. Die Schule vermittelt dabei das Wissen, aber auch im Sport lernt man ganz viel für's Leben", resümierte die Bundestags-Abgeordnete. Und stand uns zum Abschluss noch für ein kurzes Interview zur Verfügung.

- Frau Dassler, herzlich Willkommen in den Geschäftsräumen der MT Melsungen. Was verschafft uns die Ehre, ein Mitglied des Deutschen Bundestages bei uns, den MT Talents, begrüßen zu dürfen?

Ich hatte gemeinsam mit meinem Kasseler Kollegen Matthias Nölke einige Termine in Nordhessen. Als sportpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im Sportausschuss des Deutschen Bundestages hat es mich aber auch interessiert, was diese Region sportlich Besonderes zu bieten hat. Als Fast-Erlangerin, wir spielen ja auch 1. Liga im Handball, sagt mir die MT Melsungen selbstverständlich etwas. Außerdem erzählte mir mein ehemaliger Kollege Dr. Stefan Ruppert, der im Frühjahr in den Vorstand von B.Braun gewechselt ist, dass es hier ein erfolgreiches Konzept gibt, das Leistungssport mit der schulischen Ausbildung verzahnt, ohne dabei den Weg eines Internats zu gehen. Das klang sehr spannend.

- Was denken Sie über dieses Konzept jetzt, nachdem Sie gewissermaßen einen Blick hinter die Kulissen werfen konnten?

Es ist einfach klasse. Weil es talentierten Jugendlichen die Chance auf eine gute sportliche Karriere eröffnet, dabei aber die Möglichkeiten einer soliden schulischen und beruflichen Ausbildung erhält. Neben dem Sport bin ich ja auch Mitglied im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgeabschätzung und habe deshalb großes Interesse an beiden Seiten. Es ist schon großartig, wie das hier ineinander greift mit den vielen Personen, die sich aktiv dabei einbringen.

- Hat es dann, wenn man diese Möglichkeiten sieht, nicht umso mehr weh getan, dass der gesamte Sport für Monate praktisch still stand?

Stillstand tut immer weh. Die Leute wollen alle raus, wollen Sport machen. Gerade wenn man "kalt gestellt" ist, braucht man irgendwo einen Ausgleich. Nur konnte und durfte man nicht. Vieles habe ich ehrlich gesagt auch nicht verstanden dabei. Dafür bin ich jetzt aber froh, dass sich langsam alles wieder öffnet, wenn auch in einigen Bereichen viel zu spät. Sicher muss man bei direktem Kontakt aufpassen, aber in kontaktarmen Sportarten wie beispielsweise Tischtennis, Tennis, Kanufahren oder auch Laufen wäre eine frühere Öffnung meiner Meinung nach möglich gewesen.

- Als Politikerin im höchsten Deutschen Gremium sind Sie viel beschäftigt. Wie sind allgemein Ihre Kontakte zur so genannten Basis?

Die sind sehr gut. Ich muss für meine Arbeit vor allem wissen, was die Probleme sind. Das erfährt man am allerbesten dort, wo sie entstehen und anzutreffen sind. Also nutze ich meine sitzungsfreie Zeit dazu, oft unterwegs zu sein. Es ist ganz wichtig, in direkte Kommunikation mit den Sportler, aber auch den Verantwortlichen zu gehen. Da erfährt man am meisten von den Anliegen der Betroffenen und das gibt mir den größten Anreiz, an diesen bestehenden Problemen zu arbeiten und zu versuchen, sie über die politische Arbeit mit zu lösen.

- Und was nehmen Sie jetzt aus ihrem Besuch bei den MT Talents mit zurück nach Berlin?

Dass es Vereine wie die MT Melsungen gibt, die es schaffen, Leistungssport und gute schulische wie berufliche Ausbildung verantwortungsbewusst miteinander zu verzahnen - und das auch noch erfolgreich. Dass dieses Konzept darüber hinaus nicht nur der Jugend, sondern auch der Region ganz viel gibt. Für mich ist das ein Leuchtturmprojekt für den Sport. Und so wie Sie mir Einblick in Ihr Konzept gegeben haben, möchte ich Ihnen gern zeigen, wie sich meine Tätigkeit im Deutschen Bundestag darstellt. Ich würde mich also über einen Gegenbesuch in der Bundeshauptstadt sehr freuen.

- Frau Dassler, wir bedanken uns für Ihr Interesse an unserem Sport, an dem, was hinter den MT Talents steht und was unsere doch besondere Konzeption in der Praxis ausmacht. Und natürlich freuen wir uns sehr über die herzliche Einladung zum Gegenbesuch und sind gespannt, wie Ihre Arbeit für uns und unsere Anliegen an die "große" Politik in Berlin aussieht.

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