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Deutschland beendet EM als Fünfter

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft schloss am Samstag in Stockholm die Europameisterschaft 2020 mit Platz 5 ab. Vorausgegangen war ein hart erkämpfter 29:27 (14:13)-Sieg mit dem "letzten Aufgebot" gegen Portugal, das bisherige Überraschungsteam dieser EM. Ohne die verletzten Defensivspezialisten Patrick Wiencek (Knieprobleme) und Hendrik Pekeler (Achillessehnenreizung) – Kapitän Uwe Gensheimer saß mit leichtem Infekt nur als Notnagel auf der Bank – nahm die DHB-Auswahl die Herausforderung gegen die Portugiesen an. Die hatten in der Vorrunde sensationell Titelkandidat Frankreich und in der Hauptrunde EM Co-Gastgeber Schweden sowie Ungarn geschlagen. Das Spiel um Platz 5 fand statt – ein Novum in der Geschichte der Europameisterschaften – in einem überdachten Fußballstadion, mitten in der schwedischen Hauptstadt.  In der Tele2 Arena, die bei Fußballspielen bis zu 30.000 Besuchern Platz bietet, verloren sich am Samstag jedoch "nur" 7.710 Zuschauer. Für die EM-Spiele wurde die maximale Kapazität auf 22.000 Plätze begrenzt. Zum Vergleich: Die Kölner Lanxess Arena kann bei Handballspielen knapp 20.000 Zuschauer fassen. Beste Torschützen waren für Portugal der ehemalige Wetzlarer Joa Ferraz und Alexis Borges (beide jeweils 4 Treffer) und für Deutschland Julius Kühn (6). Der MT-Goalgetter wurde anschließend zum "Man of the Match" gekürt. Die beiden weiteren MT-Cracks im DHB-Team, Tobias Reichmann und Kai Häfner, trafen ein bzw. zwei Mal.

Sascha Klahn-Foto: Das deutsche Team beim Abspielen der Nationalhymne mit den MT-Profis Tobias Reichmann (4. v.l.), Kai Häfner (7. v.l.) und Julius Kühn (9. v.l.).

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Hinter der Deckung war Andreas Wolff sofort präsent. Seine erste Parade von acht bis zur Pause ermöglichte das 2:0. Nach vier Minuten schaffte Rui Silva für Portugal den ersten Durchbruch. Auch im Angriff schien die deutsche Mannschaft überlegen. Kai Häfner glänzte, wie so oft im Turnier, als Anspieler, Tobias Reichmann als sicherer Siebenmeter-Schütze. Dennoch gelang Portugal während einer kurzen doppelten Überzahl der 3:3-Ausgleich, Paul Drux und Patrick Zieker saßen draußen.

Die Bestrafung Ziekers zog einen Kurzeinsatz Gensheimers nach sich. Golla, Wolff und Böhm besorgten das 5:3 (10.). Beide Teams machten das Spiel jetzt schnell und profitierten im Angriff von einer guten gegenseitigen Unterstützung. Nicht so in der Abwehr, wo sich im achten Spiel binnen 16 Tagen schnell Lücken auftaten. Kopf an Kopf ging es weiter. Als Zieker im Gegenstoß einen Aufsetzer übers Tor knallte, rief Portugals Trainer Paulo Pereira seine Sieben eindringlich zur Ordnung.

Prokop wechselte und schickte Marian Michalczik aufs Feld, der sofort seinen ersten EM-Treffer setzte. Im Gegenzug hatte Joao Ferraz Glück, dass der Ball von Wolffs Rücken zum 7:7 (15.) ins Netz prallte. Beim 9:8 setzte Häfner dann Kastening mustergültig in Szene, Golla riss die nötige Lücke. Das Positionsspiel funktionierte, im Gegenstoß ließ die Mannschaft aber bisher zu viel liegen, daher konnte sie sich kaum absetzen. Die Seleção hielt mit leichtfüßigem Kurzpassspiel dagegen.

Aufgrund einiger Abspielfehler vor der Pause und des nicht immer guten Stellungsspiels der Deckung, beides nutzte Portugal zu leichten Treffern, buzzerte Prokop dreieinhalb Minuten vor der Sirene zur Auszeit. Schmidt besorgte dann die 14:13-Halbzeit-Führung. Die Wurfqualität blieb danach zunächst auf beiden Seiten schlecht, ehe Cavalcanti für die Portugiesen wieder ausglich. Kohlbacher gelang das 14:15. Der aufs Feld sprintende Quintana verhinderte danach Kastenings 30-Meter-Distanz-Treffer.

Die deutsche Mannschaft trat aber in der zweiten Halbzeit mit einem verbesserten Abwehrkonzept gegen Portugals Sieben-gegen-Sechs auf. Pereira nahm eine Auszeit, um für das Kreisläuferspiel Impulse zu geben. Wolff parierte jedoch erneut und traf zum 18:15 (36.). Es war die erste Drei-Tore-Vorlage, doch die Auszeit zeitigte schnell Erfolg für die Seleção, ein Doppelschlag von Martins aus dem Rückraum und Salina traf zum 19:18 (38.) vom Flügel. Rechtsaußen Branquinho egalisierte.

Es waren immer noch 20 Minuten zu spielen. Portugal gelang es mit den schnellen Beinen jetzt wieder regelmäßig, die DHB-Abwehr zu knacken. Das DHB-Team zeigte sich ebenbürtig, hatte aber wohl mehr mit dem Nervenkostüm und schwindenden Kräften zu kämpfen, wie weitere technische Fehler andeuteten. Prokop unterbrach das Spiel, um an die Einstellung zu erinnern, doch einige Momente später brachte Alex Borges Portugal beim 23:24 (47.) vom Kreis erstmals in Vorlage.

Das Spiel wirkte in dieser Phase wie ein Abbild der zweiten Halbzeit zwischen Frankreich und Portugal am ersten EM-Spieltag, als die Portugiesen das Spiel am Ende kontrollierten - Doch die DHB-Auswahl ließ nach Martins´ 24:26-Treffer nicht mehr zu. Kühn egalisierte beim 26:26 (49.). Dann wehrte Bitter einen Siebenmeter Moreiras ab. Prokop hatte Johannes Bitter eingewechselt, der dann einen Siebenmeter Moreiras abwehrte. Häfner und Kohlbacher drehten das Spiel beim 28:26 (57.).

Das Spiel war bis zum Ende spannend, die Dramatik wuchs allmählich ins Unermessliche. Es war ein Kampf auf des Messers Schneide, bei dem Michalczyiks 29:27 zweieinhalb Minuten vor Schluss für den nötigen Schuss Sicherheit sorgte. Genauso Bitter, der beim Versuch von Magalhaes nach dem Block von Golla blitzschnell unten war. Noch zwei weitere Male parierte Bitter, sodass die Zeit immer mehr für das deutsche Team spielte. Mit 29:27 ging die Prokop-Sieben am Ende als Sieger hervor.

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