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MT steht im DHB-Pokal Viertelfinale – 30:27-Sieg in Leipzig

Die Erfolgsserie der MT Melsungen hält weiter an. Nach drei Siegen hintereinander in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga behält das Grimm-Team auch im DHB-Pokal die Nerven. Nach starkem Beginn und einer zwischenzeitlichen Fünf-Tore-Führung flachte die Angriffsleistung etwas ab, zur Halbzeit stand es “nur” noch 13:12 für die Nordhessen. Im zweiten Durchgang legten Mikkelsen & Co. dann wieder zu, erspielten sich bis zur 45. Minute erneut einen Fünf-Tore-Vorsprung. Und das obwohl mit Kai Häfner, der nach hartem Foul von Philipp Müller verletzt auf die Bank musste, und Stefan Salger (Rot nach dritter Zeitstrafe) im Rückraum kein Linkshänder mehr zur Verfügung stand. In der verbleibenden Viertelstunde ließen sich die Rotweißen trotz dieses Mankos und verschiedener Leipziger Deckungsvarianten nicht mehr aus der Reserve locken. Mit der Einwechslung von Domagoj Pavlovic, fünf Minuten vor Schluss, gelang Heiko Grimm ein toller Schachzug. Der Kroate lieferte zwei Anspiele an Marino Maric, die jeweils zu Treffern führten und erzielte ein Tor selber. Damit war die Partie beim Stand von 24:28 entschieden. Daran konnte SC-Trainer André Haber auch mit einer Auszeit nichts mehr ändern. Beste Torschützen vor 4.342 Zuschauern in der Arena Leipzig waren auf beiden Seiten jeweils die Kreisläufer – Marino Maric (7, Käsler-Foto) für die MT und Bastian Roschek (6) für Leipzig. Die Viertelfinalpaarungen werden am 3. Oktober ausgelost, direkt nach dem Spiel Flensburg gegen Hannover (live auf SKY Sport HD im Free TV).

Vor ziemlich genau zwei Jahren erwies sich der SC DHfK Leipzig im DHB-Pokal noch zum Stolperstein für die MT Melsungen. Damals mussten sich die Rotweißen sogar in eigener Halle den Sachsen beugen. Am Dienstag gelang die Revanche, die Nordhessen drehten beim 30:27 in Leipzig den Spieß um und schafften so den Sprung unter die acht besten Pokalteams dieser Saison.

Ganz so einfach war es allerdings nicht, sich auf fremdem Terrain durchzusetzen. Schließlich stehen die Leipziger nicht von ungefähr in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga derzeit auf dem vierten Tabellenplatz, haben einen Punkt mehr auf der Habenseite als die MT und seit einem halben Jahr vor eigenem Publikum kein Pflichtspiel mehr verloren. Rückraumakteur Marko Mamic, kroatischer Neuzugang beim SC DHfK, eröffnete das Spiel – um es vorweg zu nehmen: dieses 1:0 sollte die einzige Führung der Hausherren im gesamten Spiel bleiben. Die MT antwortete postwendend: Linksaußen Yves Kunkel und anschließend Tobias Reichmann von der Siebenmeterlinie aus stellten auf 1:2 (3. Min.).

Beide Teams agierten in einer 6:0-Abwerhformation, wobei die MT bei ihrem schon bekannten Modus blieb, mit Felix Danner und Finn Lemke zwei Abwehrspezialisten im Deckungszentrum zu postieren. Sie wurden beim Spiel nach vorne jeweils von Kai Häfner und Lasse Mikkelsen abgelöst. Schon früh musste Felix Danner wegen Schulterbeschwerden raus, seinen Part übernahm Stefan Salger.

Dass die Hintermannschaft der Rotweißen auf dem Posten war, zeigte sich nicht zuletzt an der kargen Leipziger Ausbeute während der ersten 12 Minuten. Lediglich Franz Semper von Halbrechts und Bastian Roschek vom Kreis konnten sich nach Mamic’s Eröffnungstreffer durchsetzen. Auf der anderen Seite zeigte sich die MT-Offensive agil und torhungrig, Treffer fielen von fast allen Positionen. Tobias Reichmann, Yves Kunkel, Julius Kühn, Marino Maric und Kai Häfner sorgten für klare Vorsprünge (2:7, 12. Min., 4:9, 13. Min.). Optisch ragte dabei Kai Häfner mit zwei gelungenen Aktionen heraus, unter anderem mit einem verdeckten Unterarmwurf.

Mit der Einwechslung des Ex-Melsungers Philipp Müller ins Abwehrzentrum legte Leipzigs Defensive an Beweglichkeit und Aggressivität zu. Zudem wurde der jeweilige gegnerische Ballhalter frühzeitiger bekämpft. Und das zeigte Wirkung – die MT-Angreifer hatten einen zusehends schwereren Stand. Die Gastgeber hingegen bauten sich weiter auf, wurden mutiger. Die MT geriet durch eine Zeitstrafe gegen Marino Maric in Unterzahl, nahm im Angriff Torhüter Nebojsa Simic zugunsten eines weiteren Feldspielers heraus. Das nutze SC-Keeper Jens Vortmann nach einem Fehlpass von Kai Häfner und unverhofftem Ballgewinn eiskalt aus und beförderte den Ball ins verwaiste Melsunger Gehäuse zum 6:9. Das schien den Grünhemden weiter Auftrieb zu geben. In der Folge verkürzte Bastian Roschek nach einem Fehlwurf von?Julius Kühn zum 7:9 und kurz darauf “vernaschte” der gerade eingewechselte Maximilian Janke Timm Schneider zum 8:9 (17.). 

Das Grimm-Team indes zeigte sich davon wenig beeindruckt, stellte mit einem 3:0-Lauf von Julius Kühn, Kai Häfner und Yves Kunkel innerhalb von fünf Minuten fast wieder den alten Abstand her (8:12, 22.). Zwischendurch hatte Nebojsa Simic einen Strafwurf von Patrick Wiesmach vereitelt und Heiko Grimm eine Auszeit genommen. Dessen Leipziger Pendant André Haber nutze die Gelegenheit, um im Tor Jens Vortmann gegen Joel Birlehm auszutauschen und die Abwehr von 6:0 auf 5:1 umzustellen.

Das schmeckte der MT zunächst gar nicht. Die fast “kurze Deckung” Richtung Spielmacher Lasse Mikkelsen ließ das Angriffsspiel der Rotweißen ins Stocken geraten. Andererseits witterten die Gastgeber erneut Morgenluft. Franz Semper wurde zweimal sträflich von der Abwehr vernachlässigt, Joel Birlehm parierte zweimal hintereinander gegen Kia Häfner und Tobias Reichmann und Linksaußen Lukas Binder erzwang aus spitzem Winkel den 12:12-Ausgleich.

Die letzte Minute der ersten Halbzeit gehörte dann wieder der MT: Herrlich bedient von Kai Häfner netzte Tobias Reichmann zum 12:13 ein und im letzten Leipziger Angriff fing sich Stefan Salger seine zweite Zeitstrafe ein. Einen abschließenden direkten Freiwurf parierte Nebojsa Simic und so ging es mit beim 12:13 in die Kabinen.  

Die zweite Spielhälfte begann die MT also in Unterzahl, was aber bekanntlich kein Nachteil sein muss, wie Tobias Reichmann bewies. Dem Rechtsaußen gelang nach einem lupenreinen “Steal” das 12:14. Nichtsdestotrotz wollte der MT-Angriff zunächst nicht richtig in Schwung kommen. Nach wie vor sorgte die Leipziger 5:1-Abwehr – inzwischen mit Philipp Weber auf der Spitze – für Unruhe. Diese Vorgehensweise gab den Hausherren Recht, sie schöpften daraus weiter Hoffnung und blieben der MT auf den Fersen. Erst schaffte Maximilian Janke den Anschluss und nach einem Tor von Lasse Mikkelsen legte Lukas Binder zum 14:15 nach (33.).

Danach sorgte ausgerechnet Ex-MT’ler Philipp Müller für die hässlichste Szene des Spiels. Er hatte sich schon Minuten zuvor auf Kai Häfner fokussiert, diesmal streckte er ihn gänzlich nieder. Die Disqualifikation durch die Referees folgte auf dem Fuße. Häfner versuchte zwar nach einigen Minuten Behandlung weiterzuspielen, musste dann aber doch mit Verdacht auf Gehirnerschütterung aufgeben. Und weil es wenig später Stefan Salger erwischte, der nach seiner dritten Zeitstrafe ebenfalls das Feld räumen musste, stand die MT im Rückraum plötzlich ohne Linkshänder da. Prekär insofern, als zu dem Zeitpunkt noch rund 25 Minuten zu spielen waren.

Nun war also Improvisation angesagt. Heiko Grimm beorderte Timm Schneider auf die Halbrechte und sogar Julius Kühn wechselte in Unterzahl phasenweise auf diese für ihn ungewohnte Position. Und der erzielte von dort sogar das 15:17 (37.). Heiko Grimm legte die Grüne Karte, brachte Roman Sidorowicz auf Halblinks, Lasse Mikkelsen übernahm wieder Regie, Julius Kühn agierte zunächst weiter auf Halbrechts und Timm Schneider am Kreis. Nach einem lehrbuchreifen Rückhandpass von Lasse Mikkelsen erzielte Marino Maric das 15:18. Dann parierte Nebojsa Simic spektakulär gegen den frei vor ihm auftauchenden Lukas Binder und nach Fehlabgaben auf beiden Seiten beruhigte Lasse Mikkelsen mit dem 15:19 (41.) die Szenerie.

Beim 16:21 (43.)  – diesmal hatte Julius Kühn den Blick für den freien Marino Maric bewiesen – durften die gut 50 mitgereisten MT-Anhänger  zum ersten Mal mit einem guten Gefühl durchschnaufen. Ohne sich jedoch allzu sicher zu fühlen. Denn die Gastgeber steckten natürlich noch nicht auf, wie der an den Kreis zurückgekehrte Bastian Roschek mit seinem Doppelschlag zum 20:23 und 21:23 (49.) bewies. Sollte es jetzt noch einmal eng werden?

So richtig nicht. Auch wenn nach einem kühl verwandelten Strafwurf von Lasse Mikkelsen, dem Linksaußen-Treffer von Yves Kunkel und einer weiteren Parade von Nebojsa Simic zwei frische Leipziger Kräfte jeweils erfolgreiche Gegenschläge landeten: Luca Witzke aus dem Rückraum und Lucas Krzikalla von Rechtsaußen trafen zum 22:25 und 23:25 (55.). Aber dann trat der erstmalig in diesem Spiel eingewechselte Domagoj Pavlovic auf den Plan. Gleich in einer seiner ersten Aktion bediente er Marino Maric. Anschließend betätigte er sich selber als Schütze, um wenige später erneut Maric anzuspielen. Alle drei Aktionen mündeten in Torerfolge und somit war er maßgeblich daran beteiligt, dass sein Team beim 24:28, zweieinhalb Minuten vor dem Abpfiff, endgültig auf die Siegerstraße einbog. Die Restspielzeit entschieden die Grünweißen zwar mit 3:2 zu ihren Gunsten, was aber am Ausgang des Pokalduells insgesamt nichts mehr ändern konnte.

Heiko Grimm zum Spiel:
Nach gutem Beginn haben wir uns in den letzten zehn Minuten vor dem Ende der ersten Halbzeit von der aufkommenden Hektik anstecken lassen. Das haben wir in der Pause angesprochen und uns vorgenommen, wieder mehr auf uns selber zu schauen. Das ist in der zweiten Hälfte dann unter den nicht einfachen Bedingungen und dann noch in fremder Halle gut gelungen.  Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. Denn sie hat heute mit einer eindrucksvollen Teamleistung gleich drei nicht unwesentliche Ausfälle wettgemacht. Nachdem Felix Danner, Kai Häfner und Stefan Salger nicht mehr zur Verfügung standen, waren wir in mehrerlei Hinsicht zur Improvisation gezwungen. Die Spieler, die auf teilweise ungewohnten Position eingesetzt wurden, haben ihre Aufgabe jeweils angenommen. Das Spiel hat heute auch wieder gezeigt, dass wir einen guten und breiten Kader haben, und dass wirklich alle Spieler gebraucht werden.

Statistik

SC DHfK Leipzig: Vortmann (1.-20. Min.; 1 Tor, 1 Parade, 11 Gegentore), Birlehm (ab 20. Min.; 18 P., 19 GT)  – Semper 3, Wiesmach, Witzke 2, Krzikalla 2, Binder 4, Janke 3, Müller, Roscheck 6, Weber 2/1, Mamic 2, Remke, Gebala, Esche 2, Kristjansson – Trainer André Haber.

MT Melsungen: Simic (11 Paraden / 27 Gegentore), Sjöstrand (n.e.) – Maric 7, Kühn 3, Lemke, Reichmann 5/2, Ignatow, Kunkel 4, Mikkelsen 5/3, Danner, Schneider 1, Allendorf, Sidorowicz, Häfner 4, Salger, Pavlovic 1 – Trainer Heiko Grimm.

Schiedsrichter: Christoph Immel (Erkelenz)/ Ronald Klein (Mettmann)

Zeitstrafen: 2 Min. – 10 Min.  (Mamic – 2x Maric, 3x Salger)

Disqualifikationen: Michael Müller nach grobem Foul an Kai Häfner (35. Min.) – Stefan Salger nach 3. Zeitstrafe (35. Min.)

Strafwürfe: 1/2 – 5/6  (Wiesmach scheitert an Simic, 21. Min. – Reichmann scheitert an Birlehm, 28. Min.)

Zuschauer: 4.342, Arena Leipzig.

Das nächste Spiel:
LIQUI MOLY-HBL: So., 06.10.19, 16:00 Uhr, MT Melsungen – TSV Hannover-Burgdorf, Rothenbach-Halle Kassel

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