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MT belohnt sich für vollen Einsatz und schlägt die Recken

Die MT Melsungen darf weiter an eine Qualifikation für den europäischen Wettbewerb glauben. Mit 28:25 (12:10) bezwangen die Nordhessen den TSV Hannover-Burgdorf in einem in der Anfangsphase fehlerdurchzogenen und wenig attraktiven Spiel, das spätestens in der zweiten Hälfte immer mehr Fahrt aufnahm und in der überaus intensiven Schlussphase bis auf den letzten Zuschauer jeden in der ausverkauften Kasseler Rothenbach-Halle in seinen Bann zog. Acht Feldtore erzielte Lasse Mikkelsen für die MT, gleich zehnmal erfolgreich war Hannovers Timo Kastening, davon fünf Mal von der Linie.

A. Käsler-Foto: Die Pose eines Siegers – Timm Schneider.

Mit einer zehn Minuten Verzögerung ging es los, weil die unwetterartigen Niederschläge des Vortages sich noch immer ihren Weg durch die Dachkonstruktion suchten und das Wasser genau in einem der beiden Torräume abtropfte. Als es dann endlich losging, fehlten auf beiden Seiten wichtige Akteure in der Aufstellung. Morten Olsen, Mait Patrail und Lars Lehnhoff auf Hannoveraner Seite, Julius Kühn, Michael Müller und Roman Sidorowicz bei den Melsungern. Mit dabei aber von Beginn an Kai Häfner, der bekanntermaßen nach der Saison das grün-weiße Trikot mit dem rot-weißen tauschen wird und sein Gegenpart auf der Linkshänderposition, Simon Birkefeldt.

Und genau diese beiden hatten auch jeweils die ersten Wurfchancen, scheiterten jedoch unisono mit ihren Versuchen an Urban Lesjak und Nebojsa Simic. So dauerte es zweieinhalb lange Minuten, bis der erste Treffer, erzielt von Tobias Reichmann und damit einem weiteren Linkshänder, auf der Anzeigetafel erschien. Der zweite wie auch der dritte – wir bleiben bei den „Linken“ – folgte durch Timo Kastenings Siebenmeter zum Ausgleich (5.) sowie einen Tempogegenstoß des gleichen Akteurs. Erst danach durfte – ebenfalls im schnellen Gegenstoß nach Fehler im Melsunger Spielaufbau, mit Cristian Ugalde der erste Rechtshänder zum 1:3 (7.).

Die bestimmenden Spieler der Anfangsphase waren aber die Torhüter. Urban Lesjak, dessen Paraden gegen Lasse Mikkelsen, Timm Schneider, Finn Lemke und Marino Maric jeweils Ballgewinne und in der Spätfolge Tore nach sich zogen, sowie auf der gegenüberliegenden Seite Nebojsa Simic. Dessen Glanztaten wiederum landeten als Abpraller auch mal wieder beim TSV, so dass die Gäste nach Pawel Atmans Treffer zum 4:7 nach genau einer Viertelstunde sogar mit dreien vorn lagen.

Auch danach blieben die Keeper im Mittelpunkt des Geschehens. Wobei sich Lesjak über eine prima Vorarbeit seiner starken, sehr aktiven 6:0-Deckung freuen konnte, die dem Melsunger Rückraum kaum Lücken anbot. Was dann an Würfen kam, war zumeist aus größerer Distanz abgefeuert und ließ zu oft Genauigkeit vermissen. Simic dagegen glänzte mehrfach in Duellen Mann gegen Mann, so wie bei Timo Kastenings Siebenmeter (19.). Langsam schlossen die Gastgeber wieder auf und hatten mit Lasse Mikkelsens verdecktem Hüftwurf beim 6:7 den Anschluss gefunden (20.).

Nach kurzem Hannoveraner Zwischenspurt auf 6:9 lief es dann endlich so richtig positiv für die MT. Die stellte nun die weitaus stabilere Deckung, holte sich auch ohne Zutun von Simic häufiger einmal Ballbesitz und machte auch was draus. Protagonist der Wende im Spiel war dabei Timm Schneider. Erst ein geniales Kreisanspiel auf Marino Maric zum 9:9, dann der Ballgewinn in der Abwehr mit Pass auf Michael Allendorf  zum 10:9 und schließlich das 11:10 mit ansatzlosem Schlagwurf ins kurze Eck. Es folgten die Paraden acht und neun von Simic, jeweils gegen Kastening, dann Finn Lemkes Einzelleistung zum Pausenstand.

Den ersten persönlichen Erfolg im zweiten Durchgang verbuchte auch wieder Urban Lesjak gegen Domagoj Pavlovic. Doch diesmal ging der Abpraller an Michael Allendorf und der fackelte nicht lange – drin. Nach einem Abwehrblock mit Ballgewinn und Siebenmeter von Tobias Reichmann nach Wechselfehler Hannovers und Strafe gegen Veit Mävers stand es sogar 14:10. Was längst jedoch noch nicht das Ende des Melsunger Laufes bedeutete. Erst veredelte Lasse Mikkelsen zum zweiten Mal eine Parade von Nebojsa Simic mit einem Wurf ins leere TSV-Gehäuse, dann vollendete Sprungwunder Tobias Reichmann im Tiefflug ein tolles Zuspiel des dänischen Regisseurs zum 17:11 (36.).

Nach einer Auszeit berappelte sich Hannover ein wenig. Profitierend von einer Zeitstrafe gegen Simon Birkefeldt gelangen Kai Häfner zwei Tore und Urban Lesjak beförderte das Leder über das gesamte Feld in zum 18:14 die Maschen 40.). Mehr war nicht drin, weil Simic zwischenzeitlich zum persönlichen Angstgegner von Timo Kastening wurde. Auch seine Parade gegen den im Gegenstoß allein auf ihn zustürmenden Fabian Böhm wurde lautstark gefeiert, zumal Domagoj Pavlovic und Tobias Reichmann wieder auf 20:14 erhöhten (43.).

Das war so etwas wie eine kleine Vorentscheidung. Auch wenn die Niedersachsen nicht aufgaben und durch Veit Mävers sogar wieder auf vier heran kamen. Auch Kai Häfner zeigte nicht nur mit seinem erfolgreich abgeschlossenen Kempa-Zuspiel von Cristian Ugalde, worauf sich die nordhessischen Fans in der kommenden Saison freuen können. Zweimal traf er zum 23:19, eine weitere Verkürzung verhinderte Simic mit seinem zweiten gehaltenen Siebenmeter, diesmal gegen Veit Mävers (50.).

Selbst eine doppelte Unterzahl für fast eine Minute brachte Melsungen nicht mehr aus dem Tritt. Im Gegenteil verschleppte Lasse Mikkelsen geschickt das Tempo, bedachte den von der Bank zurück aufs Feld stürmenden Michael Allendorf mit einem klugen Anspiel und der ließ ob dieses Husarenstreichs zum 25:20 die Rothenbach-Halle in ihren Grundfesten erbeben (52.). Den nächsten Jubelsturm entfachte Domagoj Pavlovic mit einer Wurftäuschung, anschließendem Wackler und Durchbruch an den Kreis zum 26:21 (55.).

Es waren Sahnestücke, die die Nordhessen ihren Anhängern zelebrierten, nur unterbrochen von Siebenmetern in Reihe, die Timo Kastening nach seiner zwischenzeitlichen Durststrecke allesamt verwandelte und den Rückstand für die Recken damit in Grenzen hielt. Die versuchten sich inzwischen nach nur mäßig erfolgreicher 5:1-Deckung auch mal mit einer ebenso wenig fruchtenden 4:2 und schließlich sogar 3:3-Formation. Aber immer fanden die Rot-Weißen Lösungen und die entscheidenden Lücken. Trotz zweier Treffer von Fabian Böhm, davon einer nach nicht geahndetem Foulspiel von Ugalde gegen Schneider, brannte nichts mehr an. Den letztlich entscheidenden Ballgewinn verbuchte wieder Timm Schneider, bediente Lasse Mikkelsen und der umkurvte den herausgeeilten Martin Ziemer zum lautstark umjubelten 28:28 (60.). Der Schlusspunkt allerdings gehörte Nebojsa Simic. Der hielt sieben Sekunden vor dem Ende seinen dritten Siebenmeter des Abends – gegen Timo Kastening.

Stimmen zum Spiel

Heiko Grimm: Ich bin noch etwas emotional nach diesem Spiel. Wir hatten heute mit Hannover-Burgdorf einen richtig guten Gegner. Sie haben eine gute Abwehr gestellt mit einem guten Torhüter dahinter. Insgesamt war dieses Spiel sehr intensiv, wenn auch nicht immer schön. Deshalb bin ich noch froher über den Sieg. Wir haben am Anfang wieder viele Freie liegen gelassen. In einer Situation, wo man drei Siege braucht um europäisch spielen zu können kann das schnell am zu Verunsicherung führen. Aber ich habe eine super Mentalität meiner Mannschaft gesehen. Obwohl der Gegner unbequem und nicht leicht zu stemmen war. Ganz unabhängig vom heutigen Ergebnis wollen wir jetzt auch am kommenden Mittwoch in Erlangen gewinnen.

Antonio Carlos Ortega: Glückwunsch der MT Melsungen zum Sieg. Ich glaube, unser Start ins Spiel war gut im Angriff und auch der Torwart war gut. Dann haben wir im Angriff Probleme bekommen und die haben sich durch das ganze Spiel restliche hindurch gezogen. Melsungen hat sich den Vorteil mit dem Rest der ersten und in den ersten vier Minuten der zweiten Halbzeit geholt. Danach hatten wir eigentlich keine Chance mehr.

Axel Geerken: Ich hatte heute zuerst einmal Bedenken, ob das Spiel überhaupt beginnen kann. Entschuldigung an Hannover-Burgdorf für die Verzögerung. Unser Gegner hat das sehr professionell genommen und wir konnten das Spiel durchführen. Ich habe das Gefühl, dass das Tröpfeln nicht einmal schlecht war, denn zuerst Urban Lesjak und dann auch Nebojsa Simic haben in diesen Tor klasse Leistungen gezeigt. Unsere Mannschaft hat sich nach der Halbzeit gesteigert und gut gespielt. Auch wenn wir zuletzt dann noch einmal ein paar liegen gelassen und gezittert haben.

Sven-Sören Christophersen: Glückwunsch an die in der Summe verdienten Sieger. Wir haben ein sehr kampfbetontes Spiel gesehen. Dabei haben wir es nicht geschafft, an den guten Start in der ersten Halbzeit anzuknüpfen. Aber die Mannschaft hat sich bis zuletzt zerrissen und versucht, das Unmögliche möglich zu machen. Das war genau das, was wir gefordert hatten. Jetzt erwarte ich die gleiche Mentalität am kommenden Dienstag, wenn wir unser letztes Heimspiel haben werden.

Statistik

MT Melsungen: Simic (17 Paraden / 25 Gegentore), Sjöstrand (n. e.); Maric 1, Lemke 1, Reichmann 7/4, Ignatow, Kunkel, Mikkelsen 8, Danner 1, P. Müller, Schneider 2, Allendorf 3, Birkefeldt 2, Pavlovic 3 - Trainer Heiko Grimm.

TSV Hannover-B.: Lesjak (1 Tor, 10 P. / 21 G.), Ziemer (3 P / 7 G.); Johannsen, Cehte, Mävers 1, Thiele, Pevnov, Häfner 5, Atman 1, Böhm 3, Ugalde 4, Srsen, Brozovic, Feise, Kastening 10/4, Büchner - Trainer Antonio Carlos Ortega.

Schiedsrichter: Colin Hartmann / Stefan Schneider (Magdeburg / Irxleben)

Zeitstrafen: 8 – 4 Minuten (Birkefeldt 37:34, Danner 45:44 50:51, Reichmann 49:54 – Mävers 32:37, Brozovic 49:17)

Strafwürfe: 4/4 – 7/4 (Kastening scheitert an Simic 18:51 59:57, Mävers scheitert an Simic 49:57)

Zuschauer: 4.300 in der Rothenbach-Halle, Kassel (ausverkauft).

Die beiden letzten Saisonspiele:
MI, 29.05.19, 20:30 Uhr, HC Erlangen – MT Melsungen, Arena Nürnberger Versicherung, Nürnberg              
SO, 09.06.19, 15.00 Uhr, MT Melsungen – TBV Lemgo Lippe, Rothenbach-Halle, Kassel
anschl. Saisonabschlussparty

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