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DPA: Höhenflug hält an - MT Melsungen setzt sich oben fest
Gerald Fritsche, dpa:
Vom Punktlieferanten zum Angstgegner: Die MT Melsungen ist in der Handball-Bundesliga die Mannschaft der Stunde. Nach fünf Spieltagen, einem ungefährdeten 28:19 (13:10) gegen HBW Balingen-Weilstetten und nur einer Niederlage liegen die Nordhessen auf Platz zwei hinter dem noch ungeschlagenen Spitzenreiter THW Kiel - jedoch noch vor den, allerdings punktgleichen, Champions-League-Teilnehmern Füchse Berlin und HSV Hamburg. Der deutsche Meister landete am Samstag gegen den TV Hüttenberg mit 35:26 (20:14) seinen dritten Heimsieg, Gesprächsthema waren allerdings die Melsunger.
Bereits seit 1920 wird in Melsungen Handball gespielt, doch einen derartigen Höhenflug erlebte die rund 13.500 Einwohner zählende Kleinstadt im Schwalm-Eder-Kreis noch nie. Als größter sportlicher Erfolg zählte bislang das Erreichen des Halbfinals im DHB-Pokal 1996. Der 1861 gegründete Verein schaffte 1992 den Aufstieg in die 2. Bundesliga und 2005 den Sprung in die höchste deutsche Spielklasse. Einen einstelligen Tabellenplatz schaffte der Verein dabei noch nie und als Saisonziel gaben die Verantwortlichen so eine Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr aus, da stand der dreizehnte Platz zu Buche nach einem katastrophalen Start in die Saison.
Vor der Saison machte Trainer Michael Roth einiges anders. Vor allem im Fitness-Bereich legte man zu, arbeitete dort auch mit wissenschaftlicher Unterstützung. "Wir wollen von der ersten bis zur letzten Sekunde auf hohem Tempo spielen können und somit in der Lage sein, auch noch in der 55. Minute prima dagegenhalten zu können. Die Spieler sollen sich stark fühlen", hatte Roth seine härtere Gangart in der Vorbereitung begründet. Und seine Spieler fühlen sich sichtlich stark: Ein 28:21 gegen Lokalkonkurrent Hüttenberg gab zu Saisonbeginn Auftrieb, es folgte ein knapper Erfolg beim zweiten Aufsteiger in Hildesheim. Der Rückenwind des Spielplans wurde ausgenutzt, ein 33:26 gegen den VfL Gummersbach war Ausdruck der breiten Brust, die auch nach dem 25:28 in Flensburg nicht verschwunden war.
Gegen Balingen-Weilstetten gab es in der Anfangsphase aber einige Probleme, bis zur 26. Minute. Im Spiel nach vorn hakte es, da die Gäste im Abwehrverbund sehr offensiv standen. Dann aber setzten sich die Kraft und spielerische Klasse der Melsunger durch, deren Trumpfkarte erneut die Deckung war. Nach einem schnellen 4:1 und einem 8:4 gerieten die Gastgeber allerdings zwischenzeitlich in Rückstand, nach dem 9:10 sorgten vier Melsunger Treffer in Folge dann aber für den 13:10-Pausenstand. Nach 38 Minuten war die Partie beim Stand von 18:12 zur Freude von über 1.843 Zuschauern bereits entschieden. Verantwortlich dafür war ein starker Patrick Fahlgren, aber vor allem die Leistungsbreite.
Balingen fehlte dies, vor allem der verletzte Roland Schlinger wurde schmerzlich vermisst, der Rückraum agierte zu druck- und ideenlos. "Felix König hat noch ganz ordentlich gespielt, aber sonst war da nicht viel Budesliga-Reifes. Im Angriff waren wir links durch das Fehlen von Roland Schlinger gehandicapt, rechts haben Häfner und Alvanos mehr Stürmerfouls als gute Aktionen abgeliefert", kritisierte Rolf Brack, der erklärte: "Der Sieg von Melsungen war klar verdient und geht auch in dieser Höhe voll in Ordnung. Melsungen hat sich sehr gut entwickelt. Und war bisher unser stärkster Gegner. Nicht einmal die Rhein-Neckar Löwen haben uns so schlecht aussehen lassen."
Die Rhein-Neckar Löwen sind der nächste Gegner der Melsunger, ein erster echter Prüfstein, der zeigen wird, wie stark die Überraschungsmannschaft wirklich ist. Michael Roth analysierte aber zunächst zufrieden den Erfolg gegen Balingen: "Der entscheidende Punkt war für mich, dass wir nur 19 Gegentore bekommen haben. Das zeigt, dass wir den Gegner ernst genommen haben. Gegen Balingen muss man sich immer irgendwas einfallen lassen. Nach der 8:4-Führung haben wir den Faden verloren. Aber es zeichnet meine Mannschaft aus, dass sie sich wieder gefangen hat und nach dem Rückstand sogar noch mit plus drei in die Halbzeit gegangen ist. Auch der gute Start in die zweite Hälfte war wichtig, da haben wir in der Vergangenheit manchmal geschlafen." Doch der Melsunger Trainer blickte auch voraus: "Es macht einfach Spaß mit der Mannschaft jetzt, wo alle dabei sind. Wenn wir so konzentriert weiter arbeiten haben wir die Chance, vorwiegend nach oben zu schauen und nicht mehr nur nach hinten."





