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Anton Månsson

Ryan Zinglersen

Wenn die MT Melsungen am Samstag mit dem THW Kiel eine der besten Vereinsmannschaften der Welt empfängt, feiert Ryan Zinglersen seinen Einstand als Trainer in der deutschen Eliteklasse. Im Interview verrät er seine Gefühlslage vor der Premiere, die Einschätzung seiner Mannschaft und die Erwartungen an die neue Saison.

Frage: Die Vorbereitungsphase auf die neue Saison ist zu Ende - wie zufrieden bist Du mit dem Verlauf?
Zinglersen: Es war eine lange, anstrengende Vorbereitung, wie für die anderen Mannschaften auch. Deshalb ist es gut, dass jetzt endlich die Saison beginnt. Es ist zwar schade, dass wir unseren Spielmacher Vladica Stojanovic aufgrund seiner Leistenverletzung die ganze Zeit über nicht dabei hatten, aber wir sind auch froh, keine weiteren nennenswerten Verletzungen beklagen zu müssen. Insgesamt hat die Mannschaft in diesen Wochen sehr gut mitgezogen und auch eine gute Stimmung entwickelt. Die Trainingssteuerung ist so angelegt, dass wir jetzt noch nicht unsere höchste Entwicklungsstufe erreicht haben. Wir sind mit der Vorbereitung eigentlich noch nicht fertig. Das wird erst in einigen Wochen der Fall sein. Unter anderem deshalb, weil wir Vladica Stojanovic nach seiner Rückkehr erst noch integrieren müssen. In den Vorbereitungsspielen hat die Mannschaft in einige Phasen schon gezeigt, welches Potenzial in der steckt. Aber wir wissen auch, wo wir noch Steigerungsbedarf haben.

Frage: Wo zum Beispiel?
Zinglersen: Vordringlich natürlich in der Abwehr. Das hat ja auch die zurückliegende Saison gezeigt. Hier sind wir auch jetzt noch längst nicht auf dem Niveau, welches ich mir vorstelle. Das bedeutet, das wir in diesem Bereich jede Woche sehr hart arbeiten werden. Dabei sollen Thomas Klitgaard und Franck Junillon einen wichtigen Part übernehmen. In der Defensive müssen wir sehr viel dynamischer werden. Im Angriff sind wir schon weiter. Dort hat Nenad Vuckovic, bedingt durch das Fehlen von Vladica Stojanovic die Hauptverantwortung für die Spielgestaltung übertragen bekommen und diese Aufgabe löst er schon recht gut.

Frage: Was macht die Integration der Neuen?
Zinglersen: Alexandros Vasilakis, Linkshänder auf der Halbrechten, ist ein ganz anderer Typ wie zuvor Daniel Valo. Er hat in den Vorbereitungsspielen schon in Ansätzen gezeigt, dass er ein absoluter Gewinn für uns ist. Er wird seine Stärken in Abwehr und Angriff noch besser einbringen können, wenn sich die Mannschaft darauf eingestellt hat. Torhüter Robert Lechte, der zweite Neuzugang, hat ebenfalls schon gute Vorstellungen abgeliefert und damit deutlich gemacht, dass er für die Bundesliga bereit ist.

Frage: Welche Erwartungen knüpfst Du an die neue Saison?
Zinglersen: Wie schon gesagt, werden wir zum Start noch nicht das sportliche Level erreicht haben, was wir uns vorgenommen haben. Bis es vielleicht in vier oder sechs Wochen soweit ist, wollen wir aber schon an der Umsetzung kleinerer Ziele arbeiten. Die Mannschaft muss einfach in jedem Spiel zeigen, dass sie es gewinnen will, egal, wie der Gegner heißt. Da müssen Einstellung und Körpersprache stimmen, Emotionen gezeigt werden, da muss jeder Zuschauer in der Halle spüren, dass die Mannschaft alles gibt. Wie weit wir damit in den einzelnen Spielen kommen, wissen wir natürlich nicht. Aber die Ausstrahlung und der Siegeswille müssen immer erkennbar sein.

Frage: Welche Mannschaften siehst Du am Ende ganz weit vorne und wo könnte die MT landen?
Zinglersen: Bei den stärksten Teams ist natürlich unser erster Gegner THW Kiel zu nennen. Der wird sich um den Titel wohl mit dem HSV Hamburg, den Rhein-Neckar Löwen und mit dem TBV Lemgo streiten. In diese Spitzengruppe könnte durchaus auch noch die SG Flensburg-Handewitt eindringen. Uns selbst sehe ich leistungsmäßig im oberen Mittelfeld der Liga. Den Ausschlag über eine bestimmte Endplatzierung geben ohnehin oft Nuancen, da kann man nur schwer eine genauere Prognose abgeben. Wichtig ist mir, dass wir immer 100 Prozent Willen und Einsatz zeigen.

Frage: Der Auftakt mit den Spielen gegen die Meisterschaftsfavoriten Kiel und Hamburg könnte schwerer kaum sein. Liegt der psychologische Vorteil in diesem Fall beim Außenseiter MT?
Zinglersen: Das sehe ich nicht so. Gerade zum Saisonbeginn, wenn es bei vielen noch nicht so rund läuft und man nervös ist, es kann alles mögliche passieren. Natürlich stehen wir nicht mit diesen beiden sehr starken Mannschaften auf einer Stufe. Die sind anders besetzt und haben ganz andere Ziele als wir. Ein Vergleich ist da kaum möglich. Aber es muss bekanntlich jedes Spiel auch erst gespielt werden.

Frage: Konkret zum Auftaktgegner THW Kiel: Wie bereitete sich die Mannschaft darauf vor?
Zinglersen: Mit jedem Tag dieser Woche wurde die Vorbereitung auf den Gegner spezieller. Sie begann mit einigen Krafteinheiten und endete mit dem Abschlusstraining am Freitagnachmittag in der Rothenbach-Halle. Eine gute Gelegenheit, gleich beide Gegner zu studieren, hatten wir übrigens am Dienstag, als Kiel und Hamburg im Supercup gegeneinander spielten. Dann saßen wir in der Geschäftsstelle geschlossen vor dem Fernseher.

Frage: Für Dich bedeutet das Spiel gegen den THW Kiel die Premiere als Trainer in der Bundesliga. Bist Du sehr nervös?
Zinglersen: Nein, nervös nicht, aber voller Vorfreude. Natürlich ist die Anspannung täglich gewachsen, auch bei der Mannschaft. Aber genau das braucht man auch. Ich persönlich freue mich unglaublich auf die Bundesliga und bin genau wie die Spieler froh, dass es nun endlich los geht. Aus meiner Heimat haben mich schon einige SMS erreicht, in denen man mir viel Glück wünscht. Vielleicht kommen sogar einige meiner Freunde von dort, um bei meinem ersten Spiel dabei zu sein.

Frage: Und was wünschst Du Dir für Deine Premiere?
Zinglersen: Es wäre für uns alle toll, wenn wir eine richtig volle Halle hätten, und ein begeistertes Publikum die Mannschaft unterstützt. Die Erfahrung zeigt, dass Auftaktspiele nicht so sehr von handballerischer Klasse geprägt sind, sondern eher von der kämpferischen Note bestimmt werden. Und genau in dieser Hinsicht wollen wir am heute mit dem Gegner mithalten - auch, wenn der THW Kiel heißt.

© MT Melsungen