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Matjaz Tominec im HNA-Interview
Offiziell ist er seit dem 1. Juli im Amt. Die 14 Tage, die Matjaz Tominec noch bleiben, bis er zum ersten Mal seine derzeit im Urlaub weilenden Schützlinge komplett begrüßen kann, wird der neue MT-Trainer mit dem Umzug von der Schweiz nach Nordhessen und der Einrichtung am neuen Wohnort verbringen. Im ausführlichen HNA-Interview verrät er u.a. schon mal seine Handball-Philosophie und die Ziele für die kommende Saison:
Sie haben die letzten 25 Jahre mit Ihrer Familie in Luzern gelebt. Was werden Sie an dieser reizvollen Stadt am meisten vermissen?
Matjaz Tominec: Vermissen werde ich wohl am meisten die Berge, die die Stadt umgeben, und den wunderschönen Vierwaldstädtersee, an dem Luzern liegt. Aber ich freue mich auf Melsungen, da ich die offene deutsche Mentalität sehr schätze. Die Leidenschaft und Begeisterung bei der Weltmeisterschaft 2007 habe ich sehr bewundert.
Warum haben Sie bei der MT Melsungen unterschrieben?
Matjaz Tominec: Ich hatte dreieinhalb erfolgreiche Jahre beim slowenischen Spitzenclub RK Cimos Koper. Die letzte Etappe, welche ich in meiner Trainerkarriere noch in Angriff nehmen will, ist die stärkste Liga der Welt. So war es für mich ein logischer Schritt, mich mit Melsungen auf einen Ein-Jahres-Vertrag zu einigen. Ein Verein mit gutem Ruf und mit guten Möglichkeiten, etwas zu entwickeln.
Warum erstmal nur für ein Jahr?
Matjaz Tominec: Ich unterschreibe prinzipiell immer nur für ein Jahr. In einem Jahr sieht man schnell, ob die Chemie zwischen der Führung, dem Team und dem Trainer stimmt. Wenn das der Fall ist und der Erfolg da ist, kommt es automatisch zu einer Verlängerung.
Was bedeutet es für Sie, nun in der wohl stärksten Handball-Liga der Welt arbeiten zu können?
Matjaz Tominec: Ich befasse mich seit 20 Jahren mit der Bundesliga und kenne sie sehr gut. Nun bin ich selber Trainer dort und werde versuchen, mein Wissen und meine 30-jährige Trainererfahrung bei der MT Melsungen einzubringen. Natürlich ist es ein Traum, gegen Kiel oder Hamburg vor 10?000 Zuschauern spielen zu können. Ich freue mich auf diese Herausforderung und werde alles dafür tun, sie erfolgreich zu meistern.
Sie sind in Slowenien zweimal zum „Trainer des Jahres“ gewählt worden, haben bei all Ihren Stationen Erfolg gehabt. Warum hat es trotzdem relativ lange gedauert, bis die Handball-Bundesliga auf Sie aufmerksam wurde?
Matjaz Tominec: Ich bin diplomierter Bauingenieur SIA und war somit nie vom Handball abhängig. Es hat ein paar Angebote aus der Bundesliga gegeben, welche ich aber wegen der Familie ablehnte. Zudem habe ich dort stets Spitzenklubs wie Kadetten Schaffhausen, Grasshopers Zürich oder Cimos Koper mit hohen Zielen trainiert.
Mit der MT gab es bereits vor Ihrer Verpflichtung zweimal Kontakte. Warum ist es dabei nicht zu einem Engagement gekommen?
Matjaz Tominec: Mit Melsungen gab es vorher schon Kontakte, doch ich hatte damals in Koper eine sehr erfolgreiche Zeit und die Fans und das ganze Umfeld waren mir sehr ans Herz gewachsen, sodass ich mich nicht einfach so verabschieden konnte.
Die Mission in Melsungen ist eine etwas andere als bei Cimos Koper, wo Sie eine Mannschaft von unten aufgebaut haben: Sie sollen das schlummernde Potenzial der Spieler endlich mal ausschöpfen. Wie wollen Sie das schaffen?
Matjaz Tominec: Ich bin besessen vom Handball, ein absoluter Perfektionist und will in diesem Sinne natürlich auch meine Spieler beeinflussen, was mir in der Vergangenheit immer wieder gelungen ist. Um ihr Potenzial auszuschöpfen, muss man ihnen ein klares Konzept an die Hand geben, sodass sie in jeder Spielsituation wissen, was zu tun ist. Gerade auch in Stress-Situationen, die sich im Training allerdings nur bedingt nachstellen lassen. Dabei kommt es natürlich auch auf die mentale Stärke eines jeden einzelnen an und auf die Zusammenstellung der Mannschaft als Ganzes. Doch davon muss ich mir in Melsungen erst noch ein genaues Bild machen.
Was ist Ihre Handballphilosophie?
Matjaz Tominec: Ich bin in der jugoslawischen Handballschule groß geworden und lernte viele taktische Finessen von guten Trainern, welche mich in meiner Karriere begleiteten. Meine Philosophie basiert auf Disziplin, Arbeit, Kameradschaft, Organisation, gesunder Härte, Tempospiel, das heißt schnelles Umschalten von Abwehr auf Angriff und genauer Aufgabenverteilung innerhalb der Mannschaft. Es gilt taktisch flexibel zu sein. Im Angriff gegen jede Abwehr mit entsprechenden taktischen Varianten zu spielen und das eigene Abwehrsystem auf die Stärken des Gegners abzustimmen.
Welche Ziele haben Sie mit der Mannschaft? Was kann sie in der aktuellen Besetzung erreichen?
Matjaz Tominec: Ich möchte eine bessere Platzierung anstreben als in der letzten Saison, eine, die der Zusammensetzung der Mannschaft entspricht. Weiterhin will ich mit attraktivem Tempohandball die Begeisterung in Melsungen noch mehr fördern. Außerdem junge Spieler besonders im taktischen Bereich weiterentwickeln und Ihnen eine wichtige Rolle innerhalb der Mannschaft geben. Sie sollen das Fundament der Mannschaft für die Zukunft sein.
Das Interview führte HNA-Redakteur Ralf Ohm





